Goldene Abrissbirne für die LEG

Heute wurde im Rahmen des Immobilienspekulationen-Stadtrundgangs der LEG die Goldene Abrissbirne verliehen. Etwa 40 Menschen kamen zur Preisverleihung und befestigen Informationen über die LEG und Pflastersteine an der LEG-Filiale am Bremer Platz.

Wir dokumentieren hier die Begründung für die Verleihung des Preises:

Vermieter*innen haben es schwer. Das weiß die LEG mehr als alle anderen. Es ist wahrlich keine Freude, sich mit säumigen Mieter*innen ‚rumzuschlagen und den Wohnungsbestand so zu erhalten, dass es nichts kostet. Aber ein erster Schritt ist getan. Die LEG ist – wie versprochen – an der Börse. Im Jahresbericht 2011 heißt es noch optimistisch: „Die LEG-Gruppe verbindet erfolgreiche wohnungswirtschaftliche Grundprinzipien mit neuem, am Kapitalmarkt orientiertem Denken.“

Ein schöner Satz, aber was heißt er?

Bei der LEG kann man als Aktienbesitzer*in Vermieter*in sein, ohne sich selber kümmern zu müssen. Das macht die LEG – oder besser gesagt: Sie macht es auch nicht. Hauptsache das Konzernergebis stimmt!
Und das tut es! Mit nur ca. 900 Mitarbeiter*innen bei einem Erlös von ca. 500 Mill € aus Vermietung und Verpachtung erzielt die LEG 2012 ein Konzernergenbnis von 112 Millionen. Auch dafür: Hut ab! Eine tolle Leistung!
Hier ein toller Trick: Die LEG bietet ihren Mieter*innen eine Mietpreisgarantie über zwei Jahre. Dazu brauchen sie nur einer freiwilligen Mietpreiserhöhung zustimmen, die deutlich über dem Mietspiegel liegt. Die Mieter*innen brauchen das fertige Schreiben nur zu unterschreiben und alles ist klar. Bei einer Nachfrage im Callcenter, was denn passiert, wenn nicht unterschrieben wird, wird geantwortet: Das werden Sie dann schon sehen! Ich würde auch unterschreiben. Klasse gemacht. Und irgendwie doch auch voll legal.

Aber auch für das scheue Kapital, für die ruhelosen Private Equity Fonds ist die LEG ein Hort der Geborgenheit. Dank Goldman Sachs und seinem Immobilienfonds Whithall ist aus einem gemeinnützigen Wohnungsunternehmen eine profitorientierte Firma geworden. Kapitalbesitz dem, dem er zusteht!
Und es kommt noch besser: Für nur 787 Millionen € Einsatz hat Goldmann Sachs durch den Börsengang schon jetzt richtig Asche gemacht, wenn’s gut läuft 1,4 Mrd.
Und dann gibt es noch die Sozialcharta, in der Regel ein Hindernis, manchmal sogar abschreckend für das scheue Kapital. Aber auch hier herzlichen Glückwunsch: Schon ein Jahr nach der Übernahme musste sich der Mieterbund in NRW geschlagen geben. Orginalton Mieterbund: Die Sozialcharta sei „praktisch wertlos“ und „ein großes Täuschungsmanöver“. Es sei „schlimmer geworden, als befürchtet.“ Herzlichen Glückwunsch LEG. Auch an dieser Front geht nichts mehr schief.
Und wenn man sich dann anschaut, wie manche Wohnungen – auch in Münster – aussehen, dann könnte man sich wundern, warum die LEG trotzdem nach eigener Auskunft nur einen geringen Leerstand hat. Aber da kann man ja gut mit den Anbieter*innen im Hochpreissegment zusammenarbeiten. Wenn die Mieten steigen und steigen, dann ist es ja kein Problem mehr, auch noch das letzte Loch zu angemessenen Preisen – aus der Sicht der Vermieter*innen versteht sich – zu verhökern!
Und auch daran ist gedacht: Wenn in fünf Jahren die Sozialcharta ausgelaufen ist, dann geht’s richtig zur Sache. Dann kann man auch auf der Mitarbeiter*innenseite ans Eingemachte gehen.

Unterm Strich: Die LEG-GRUPPE verdient die Goldene Abrissbirne zu Recht. Wohnen ist bei der LEG kein Menschenrecht mehr, sondern – wie es sich gehört – eine reine Handelsware wie alles andere auch.