14.9. 20 Uhr Bremer Platz

Aufruf

Am 14. 9. 2013 werden wir nicht wieder vereinzelt in irgend einer Disco den Alltagsfrust von unseren Schultern abschütteln.
An diesem Abend sind wir mal nicht unsichtbar – sondern sichtbar und hörbar!
Wir kreieren unsere eigene Tanzfläche – da wo wir wollen!
Es gibt genug Dinge, die uns stören, die uns die Luft zum Atmen nehmen.
Es sind die Verhältnisse, in den denen wir leben, die zum Teil so erdrückend sind, dass es schwer fällt, sie konkret in Worte zu fassen.
Unsere Probleme werden als Normalität abgetan, mit der jede*r selbst klarkommen muss – „Jede*r ist seines Glückes Schmied“ und wer dem Druck in der Uni, Schule oder bei der Arbeit nicht standhalten kann, es nicht schafft, die teure Miete zusammenzukratzen oder den zusätzlichen 450€ Job einfach nicht mehr mit einbauen kann oder will, hat eben versagt.

Münster ist die „Lebenswerteste Stadt“. Aber für wen?

Für die vielen Menschen, die hier ohne Wohnung sind – einfach weil sie nicht mehr für die Miete aufkommen können? Für die vielen neuen Student*innen, die die ersten 3 Monate von Sofa zu Sofa ziehen müssen, bis sie irgendwo ein überteuertes Zimmerchen finden? Für Geflüchtete, die in schäbigen, überfüllten und weit außerhalb gelegenen Unterkünften leben müssen? – Sicher nicht.

Für die Menschen, die sich teure Innenstadtwohnungen leisten können oder Haus und Auto, die sich in Gated Communities von den ,,sozial Schwachen“ abschotten und sich all das leisten können, was die schicken Läden am Prinzipalmarkt so zu bieten haben, für die ist Münster sicher sehr „lebenswert“. ,,Kauf dich glücklich“ heißt ein Laden in der Innenstadt – wer das nötige Kleingeld hat, kann das zumindest versuchen.

Es gibt scheinbar alles zu kaufen, was das Herz begehrt: Identität, Lust und Ablenkung.
Lieber Überstunden machen, als daran zu denken, das der Job völlig sinnfrei ist.
Lieber ständig saufen, shoppen, konsumieren, als zu spüren, dass die Freizeit ohnehin zu knapp ist.
Lieber ins Fitnessstudio rennen und den Körper in jeder Hinsicht an den Markt anpassen, als sich selbst und andere wirklich wahrzunehmen.

Utopien haben keinen Platz in einer Welt, in der es nur darum geht, den ganzen Dreck auszuhalten und dabei wenigstens so auszusehen, als hätte man Spaß. In der es das Ziel jedes*jeder einzelnen sein muss, wenigstens ein bisschen besser dazustehen als die anderen.

Darum ist es gut und notwendig, sich mit den Verhältnissen kritisch und lustvoll auseinanderzusetzen.
Es ist gut, sich Zeit zu nehmen, um mit Freund*innen kreative Projekte jenseits von Konsumzwang und Leistungsdruck auszuprobieren.

Es ist gut, wütend und laut zu sein.

Es ist gut mal abzuschalten, es ist gut den Frust auszutanzen. Nicht, um ihn zu verdrängen, sondern um ihn allen zu zeigen, und zu sagen: „Ihr seid nicht allein.“
Um uns wenigsten für einen Abend den Raum zu nehmen, der für alle sein sollte

Deswegen lasst uns mit unserer Nachttanzdemo gemeinsam die Verhältnisse zum tanzen bringen!

Hinweise

Auch die Nachttanzdemo ist eine politische Aktion. Deshalb bitten wir euch, kein Alkohol zu trinken und Alkohol auch zu Hause zu lassen.
Weil die Demo auch nicht zur Wahlkampfveranstaltung verkommen soll, lasst auch die Parteifahnen zu Hause.